Früherkennung von Entwicklungsbesonderheiten in exekutiven Funktionen und mathematischen Vorläuferfertigkeiten

Marianne Röthlisberger

 

Aus theoretischer Sicht werden exekutive Funktionen (EF) als höhere, selbstregulatorische, kognitive Prozesse summiert, die das Denken und Handeln kontrollieren und überwachen und zwar mit dem Ziel der flexiblen Anpassung an neue, komplexe Aufgabensituationen. Fähigkeiten wie die Reaktionshemmung (Inhibition), Informationsspeicherung & Informationsbearbeitung (Arbeitsgedächtnis), flexible Aufmerksamkeitssteuerung, Planung und Fehleraufdeckung und -korrektur  etc. werden mit EF verbunden. Zahlreiche Forschungsarbeiten machen deutlich, dass EF–bereichsübergreifende Fähigkeiten - nebst den bereichsspezifischen Vorläuferfertigkeiten wie Zählfertigkeiten, Mengenverständnis etc. - für mathematische Schulleistungen einen wesentlichen Beitrag zum schulischen Lernfortschritt in Mathematik leisten. Aufgrund der Befundlage, dass EF im Vorschul- respektive Kindergartenalter eine bedeutsame Vorhersagekraft für mathematische Schulleistungen haben (Röthlisberger et al., 2013) und dass EF im Kindergartenalltag nachweisbar gefördert werden können (Roebers et al., 2014 vgl. unten; Röthlisberger et al., 2012), scheint es naheliegend, ein Früh-Screening zur Erfassung von Entwicklungsbesonderheiten zu entwickeln. Gelingt es, mit einem einfachen Messinstrument Kinder mit Auffälligkeiten in EF sowie in mathematischen Vorläuferfertigkeiten bereits im Kindergarten ausfindig zu machen, könnten diese früh und entsprechend gefördert werden. In einer ersten Phase fokussiert sich das vorliegende Forschungsprojekt von daher auf die Entwicklung eines Früh-Screenings  zur Erfassung des Entwicklungsstandes der Bereiche EF und mathematische Vorläuferfertigkeiten bei Kindergartenkindern.

vgl. Berner Material zur Förderung der exekutiven Funktionen: Nele und Noa im Regenwald; Roebers, C.M., Röthlisberger, M., Neuenschwander, R., & Cimeli, P.(2014). München: Ernst Reinhardt Verlag